unser Leben in Kuala Lumpur

2 Wochen liegen jetzt ; Zeit für mich mal wieder ein Resümee zu ziehen….

Hat sich nicht viel getan, jedenfalls nicht viel, was berichtenswert wäre, verglichen mit unseren „Husarenritten“ in anderen Ländern; aber der Schwerpunkt liegt eben eher im Detail…

Wir haben jetzt in den letzten beiden Wochen versucht, uns einen Überblick über die Lage der Nation zu machen. Dafür haben wir glücklicherweise ein paar sehr informative Guides und Kontakte an die Hand gelegt bekommen…

Wir durften bei einigen Terminen „attend“en (teilnehmen, zuschauen, begleiten, Überblick gewinnen)! Dieses Verb ist hier überhaupt DAS Stichwort schlechthin für uns…Wir laufen eben immer wieder mal hier und da als Begleitung von Pastor Lau oder anderen Gemeindemitglieder in Kuala Lumpur rum: z.B.

Besuch im Altenheim

Durften wir bei dem ersten Seniorenheim-Besuch überhaupt mitkommen; Neben Leckereien (für uns nicht immer genießbar), die verteilt, Bilder, die geschossen, und Gespräche, die geteilt, wurden, haben WIR mal ein „ganz ordentliches“ Altenheim von Innen und Außen gesehen; hier die Bilder:

 

Für unserer Verhältnisse in Deutschland einfach nur erschreckend. Selbst in unserem (Dank Tabeas großer Gabe für Dekoration und ihrem Auge fürs Detail) , lebt es sich angenehmer und komfortabler:

Es gab keine Klimaanlagen (und die sind hier in jedem Haus eigentlich Grundausstattung), keine sauberen sanitären Anlagen (Tabea fühlte sich wieder nach Indien zurückversetzt, da sie das ein oder andere männliche Geschlechtsteil zu sehen bekam); Betten die nicht das Wort „Bett“ verdient hatten, und ansonsten sah dies für uns eher alles wie ein „Ort des letzten Frustes“ aus. Ach so, medizinische Grundversorgung bestand aus Pflastern und Salben!

Gut, hinterher haben wir uns ein bisschen erklären lassen, wie der Hase hier so läuft. Trotz der Verehrung der Ahnen (-> Daoismus, Konfizianismus) gibt’s keine (große) staatliche Rente, noch ein subventioniertes Altenheimsystem, noch andere Angebote für Senioren; meist sind die Altenheime privat gesponsert oder getragen, oder an eine soziale Einrichtung angeschlossen; Aber wie ich mir dachte, „Perlen vor die Säue“ werden hier nicht geschmissen. Und wie schon erwähnt: das Altenheim war noch oberer Standard; naja, die „Pfleger“ waren jedenfalls sehr bemüht, hilfsbereit, und die Senioren wirkten jetzt auch nicht unglücklich! Mit zwei Senioren haben wir uns unterhalten (Sie redeten mit uns in Mandarin, einem chinesischen Dialekt, und wir antworten in deutsch). Ganz missverstanden haben wir uns auch nicht, haben wir hinterher herausgefunden; und eine kleine Freude konnten wir auch noch machen; die beiden Frauen dürfen sich jetzt stolzer Besitzer eines Bildes mit 2 Weißen nennen und damit ihre vergilbte Wand schmücken.

Gemeindeleben

Grundsätzlich findet hier (für Leute, die jetzt ein krichlich-gemeindlicher Situation interessiert) das Gemeindeleben fast ausschließlich am Samstag und Sonntag statt. Ist dem Problem geschuldet, das die Chinesen (der größte Teil der Gemeinde) wie verrückt unter der Woche arbeiten und dann auch noch vor und nach der Arbeit 2 Stunden jeweils im Stau stehen. Da hat man natürlich keine großen Böcke mehr, mal eben „kurz“ ins Gemeindehaus zu fahren.

(Überhaupt regt uns so langsam der Verkehr hier auf; öffentliche Verkehrsmittel gibt’s schon, werden aber nicht benutzt, zum Teil auch deswegen, weil sie schlecht verbunden sind; aber dafür hat jeder 3 Autos eben hier und fährt wie der letzte Henker oder eine gesenkte Sau Auto; „Wer zuerst fährt, fährt zuerst“ ist hier die Verkehrsregel, wer andere vorlässt oder reinlässt, ist selber schuld; gut, langsam haben wir uns an den Linksverkehr, das nicht vorhandene Highway-System gewöhnt, wissen in etwa wann die Rush-Hours sind oder wie man hier am schnellsten vorankommt: „Wer später bremst, ist länger schnell!“ naja, dagegen ist der echt angenehm und nervenschonender…wir haben an ensprechender Stelle darüber berichtet… ;-))

Zurück zum Suppen-Text: Ich liebe MacDonalds! Ach ne, hups, ging ums Gemeindeleben….;-) (Aber MacDoff gibt’s hier wieder vermehrt, und ist für meine schmalspurige Essenskultur eine wahre Freude, vor allem, wenn alles nur die Hälfte kostet)

der "normale" Samstagswahnsinn

Also, Samstag findet meist die Worship-Band-Probe statt; erinnert mich sehr an die deutschen Bandproben; man spielt ein paar Hill-Songs, die für den Gottesdienst am Sonntag relevant sind, durch…keiner hat so richtig das Sagen; und fertig! Ach ja, wobei es mir scheint, dass die Musiker hier nicht beratungsresistent sind; Sie haben schon mal ne EXTRA-Probe anberaumt, um die Chance zu nutzen, sich von meiner Unwissenheit etwas annehmen zu wollen…Gut, wie ein Freund immer so schön zu sagen pflegt, „aus einer Henne wird kein Schwan!“, kann man es doch mal probieren, jedenfalls wenn die Ambition da ist, ein paar Kleinigkeiten zu verändern, die schon einen großen Unterschied machen würden. Die Musiker haben hier nämlich so die Eigenart, immer laut und 嘉盛 möglichst alle gleichzeitig spielen zu müssen, abgemischt ist überhaupt nix, ein Klavier wird übern „Raum“ abgenommen, und so was wie Rhythmus und Taktgefühl kennen die hier nicht! Naja, trotzdem haben sie ganz talentierte und ambitionierte Musiker am Start, mal guggen, ob man da was in den kommenden Wochen bewegen kann… Naja, nur gut Singen können die Worship-Leader hier nicht, jedenfalls nicht als ich besser, und wer meinen grauenvollen Gesang kennt, weiß, dass schöner Gesang in westlichen Landen anders definiert wird… also, wenn ein Gesangslehrer sich hier für 3-5 Jahre bereiterklären würde, 10 -15 Sängern das Singen beizubringen, wären eininge Fenster in Zukunft sicherer, die sonst zerspringen würden bei dem Gegröle.

Hm…mach euch selbst ein Bild von der Musik:

 

Danach treffen sich um 2 p.m. die Boys-Brigade (so was wie die Royal Ranger oder die Pfadfinder) zum Drill. Für uns Deutschen ist es doch sehr befremdlich, wenn kleiner Kinder im Stechschritt durch die Gegend marschieren und dabei noch einem „Führer“ grüßen. Danach findet so was wie ne Lobpreis-Session für die ganzen ca. 50 Kinder/Jugendliche statt, danach Kleingruppentreffen (vergleichbar mit einer 20min Stillen-Zeit, wo jeder zu em Bibelvers was sagen kann, was aber fast keiner macht…Überhaupt tun sich die schüchternen und zurückhaltend erzogenen Kids und Jugendliche schwer, überhaupt ihren Mund in „hierarchischen“ Verhältnissen, wie zwischen Leiter und Teilnehmer, aufzumachen…)

 

Danach findet gruppenweise eine Drill-Zeit statt; die Boys and Girls lernen verschiedene Stechschritte, Befehle zu befolgen, machen Liegestütze bei Missachtung, usw… hm, irgendwie erschien mir dies alles etwas befremdlich und sinnlos, vor allem aber diametral gegensätzlich zu dem unstrukturierten und verplanten Miteinander an dem ganzen Nachmittag.  

However, Hinterher gibt’s so was wie ne Brassband (ähnlich dem Posaunenchor in Deutschland), wobei es das Wort „Chor“ noch „Band“ trifft: Der Posaunenchor in Niederwerrn (meinem Heimatdorf), in dem ich 10 Jahre so meine Freud und Leid hatte, war dagegen ein echt professionell organisierter Haufen von Bauern und Dörflern, die immerhin jeden zweiten Ton getroffen haben. Hier sollte man eher versuchen, die Tonne zu treffen, als versuchen, Töne zu treffen. (so, meine Frau sagt, man könnte dies hier wieder falsch verstehen alles; daher an dieser Stelle nochmal (auch wenn man doch mittlerweile meine (leicht) ironische Art kennen sollte…: Was die hier für ne Arbeit reißen ist grandios; was dabei mit den Möglichkeiten rauskommt, fulminant! Hier können sich viele Gemeinden und Kirchen echt viele Scheiben von abschneiden…wirklich! Meine volle Unterstützung und Hingabe haben sie hier jedenfalls in den Arbeitsbereichen!!!)

Der Sonntagsgottesdienst

Na gut, soviel zum „regulären“ Samstagsverlauf, Sonntags steht eben immer hier ein Gottesdienst an. Die Gemeinde ist zweigeteilt, hat einmal im Monat einen gemeinsamen Gottesdienst und sonst eben zwei getrennte: Die Chinesen treffen sich um 9 Uhr, die englisch-sprechende Gemeinde glücklicherweise erst um 11 Uhr. Gibt hier nicht viel zu erzählen, außer dass der Gottesdienst nicht mit dem in einer zu vergleichen ist; kommt eben eher an einen freikirchlichen Gottesdienst ran, mit einer etwas strukturierteren und „steiferen“ Liturgie…naja, mehr dazu mal die Tage…

 

Dafür, dass ich eigentlich nix schreiben wollte, ist schon wieder eine Menge zusammengekommen… 😉 Verzeiht’s mir bitte..aber für mich ist es eben immer auch eine gute Reflexion…

Ansonsten hatten wir über die letzten beiden Wochen eben die Möglichkeit, ein paar weitere wichtige, oder interessante Leute hier zu treffen:

wie z.B. die Kids vom gemeindeeigenen Kindergarten, denen wir versucht haben, ein deutsches Lied beizubringen; (wer den Titel errät, kann ihn gerne verraten..)

Hier noch ein visueller Einblick unseres Versuches:

 

Sonstige Unternehmungen in Kuala Lumpur

Neben einem Spontan-Besuch in der deutschen Schule hier in Kuala Lumpur (die eher einer deutschen Privatschule gleicht), diversen Shopping-Touren durch die riesigen Shopping-Malls, nette Essenseinladungen mit anderen Gemeindegliedern, und einem (für uns) jetzt regelmäßig Freitags stattfindenden Briefing über die Einheimische Kultur (1. Lektion, die wir gelernt haben ist: Man versteht die Kultur hier am Besten übers Essen, dann über Religionen und dann über die unterschiedlichen Nationen ;-), haben wir’s immer noch nicht zum Sightseen geschafft! Und wir sind froh darüber!!!

Dafür bringe ich jetzt regelmäßig Sonntags nach dem Gottesdienst mit ner bunten Truppe von 25 Leuten beim Futsal meinen Körper bei 35 Grad im Schatten in einer Halle ohne Klimaanlage in Schwung (oder zum Schwitzen!? So übel ist mir noch nie die Suppe gelaufen…), trinke weniger Bier und habe meinen Zigarettenkonsum halbiert, der Lulu (unserem stinkenden Köder) „Sitz- und Platz“ beigebracht und mich im Bilde über die Demonstrationen in der Ukraine gehalten, den Medallienspiegel der Olympiade in Sotschi gecheckt und weiß jetzt, warum das BIP in subtropischen und tropischen Ländern so schlecht ist: Es ist nämlich schlicht zu heiß, und bei 33 Grad im Schatten liegt die menschliche Konzentrationsfähigkeit und Produktivität halt einfach mal bei 50% im Vergleich zu einem Arbeitstier in Deutschland, das bei temperierten 22 Grad ackert.

 

So, Ende im Gelände… sonst werde ich noch zuuu reflektiert 😉