Zugfahren – Allahabad – 3 heilige Flüsse auf einen Streich

Ist man in Indien mit RumpelkistenBUS oder Bummelbahn unterwegs, braucht man Zeit; und zwar viel davon! Gut, wir ham se momentan..

Nein, so schlimm ist meist gar nicht, oft rennen nur Kühe, Menschen, Affen, Hunde oder Autos auf den Gleisen rum, die dann mit einem kräftigen Bariton-Hupen verscheucht werden wollen. Macht nix, so lang nix passiert.

Aber auf dem Weg nach Allahabad, einer mehr oder weniger bedeutenden Pilgerstadt der Hindus (dort fließen 3 !!! Flüsse zusammen: Ganges + ein Fluss, dessen Namen ich mal wieder vergessen hab + ein „unsichtbarer“ heiliger Fluss der Sarawati-Göttin, jedenfalls der Legende nach) ist mir jedoch ein etwas grauenvolles Spektakel mal wieder zu Gesicht gekommen.

Nachdem mir fast meine Kamera von irgendwelchen Kriminellen auf der Brücke über den Ganges aus dem der Zugtür geschlagen worden wurde –  Die Diebe sind echt link: verstecken sich hinter den Brückenpfeilern und schlagen einfach wahllos in die Türen der Züge rein, wo alle Pilger zum ersten Mal ihre Kamera zücken, um den Fluss (der eigentlich mehr ein riesiger See ist) zu fotografieren – durfte ich einen Inder am Boden liegen sehen, der sich von einem Bein und einem Fuß befreit hat. Keine Ahnung warum man so was macht, die Strecke dort ist viel befahren, auf Gleisen ist der Mann doch eigentlich zu Hause, naja, ist wohl trotzdem was schief gegangen. Aber WIEDER hat kein Mensch gewusst, was zu tun ist; nicht ein einziger Schaulustiger hat mal ein Bein abgeklemmt, noch irgendwelche Anstalten gemacht zu helfen. Das Sterben gehört hier scheinbar zum Leben dazu, wie der Gute Geschmack zum Rubinetten-Apfel auf dem Obsthof Lehnemann. Hm, die Erfahrung sollten wir in Varanasi an den „Burning-Ghats“ auch noch mal machen.

However, der Zug fährt einfach weiter, der Inder schreit da, aus dem fahrenden Zug kann ich auch nicht rausspringen, also  muss ich meiner Frau singen, dass das sie mal kurz wegguggt, damit sie nicht Brökeli spuckt! 😉

Überhaupt haben wir die letzten Tage (und werden auch noch die nächsten Tage) größtenteils mit Zugfahren zubringen. Hört sich schlimmer an, als es im Süden Indiens war. Wir fahren jetzt immer in den etwas teureren Klassen über Nacht, lohnt sich aber auch, wenn man am nächsten Morgen nur seinen eigenen Schweiß abduschen muss und nicht den des Vorder-, Hinter-, Drüber-, Drunter-, und NebenManns! 😉

Gut, also, kurz ne Zusammenfassung untermalt in Bildern: (gibt nicht viel zu Berichten; die Städte sehen alle gleich aus, mal gibt’s mehr, mal weniger Lärm, mal mehr, mal weniger Armut, usw… hat man eine Stadt in Indien gesehen, hat man (fast) alle gesehen)

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In Nagpur, unseren ersten Zwischenhalt zum Chillen, waren wir aus reinem Zeitvertreib mal in so was ähnlichen wie em Zoo; Diesmal haben wir uns die Chance nicht entgehen lassen, und haben uns auch in einen Käfig gestellt und Geld dafür verlangt, Bilder mit uns zu machen! 😉

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In Stadt sieht man auch das ein oder andere lustige; ach naja, eher unspannend; Das nur YEmaha-E-Gitarren neben Waffen verkauft werden, sagte mir dann doch schon zu! Mein Mustach-Bart musste auch mal wieder dran glauben; Die Haare hängen doch zu oft im Maul rum…

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In Allahabad haben wir uns dann diverse heilige Orte und auch ein paar Zeremonie dort angeschaut; schon lustig, wenn man keine Ahnung davon hat, was die da so treiben; Aber ein Keyboard mit nem alten Trichter vom Schallplattenspieler bau ich mir in Deutschland auch mal aufs Fahrrad drauf.

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Das Leichenteile im Ganges schwimmen, ist keine Seltenheit; nur komplette Hunde sind uns bisher noch nicht zu Gesicht gekommen. Überhaupt ist es schon etwas befremdlich, das Hygiene hier ganz anderes geschrieben wird, als bei uns; aus dem 500mal mehr verseuchten Wasser des Ganges, als zugelassen in Deutschland, trinkt man. Baden, Waschen, Zähneputzen geht auch. Würden wir dies machen, könnten wir auf schnellsten Weg zum Flughafen rennen und in die Heimat fliegen. Die Leutz dort Ort sind schon mit allen Wassern gewaschen, im wahrsten Sinne des Wortes! 😉

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Auf meinen abendlichen Trip wollte ich den Dieben beim Arbeiten auf der Brücke zuschauen. Leider hab ichs vor Einbruch der Dunkelheit nicht geschafft, oder sie haben gerade Brotzeitpause gemacht; aber was ich dabei so sehen musste, war auch nicht ohne; meine erste Slumerfahrung, und das alleine! Man wird angelangt, begafft, besprungen, usw… und versucht sich, schnellstmöglichst vom Acker zu machen um aus sicherer Distanz ein paar Bilder zu schießen. Naja, die Leut tun mir echt unendlich leid, leider bleibt man hilflos und kann nur mit ein paar Zigaretten, Essensrestem und Erinnerungsfotos für deren Verwandtschaft dienen..

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Ach Party machen können die Inder hier hervorragend. Ist auch gar nicht sooo teuer und aufwendig: Ein Inder heiratet, nimmt sich 6-8 Freunde zur Hand, leiht sich dicke Boxen und schleicht tanzend mit seiner PartyGesellschaft mitten in der Nacht durch die Stadt. Erinnert an Karnevalsumzüge, nur das die hier jeden Tag stattfinden, und „nächtliche Ruhestörung“ auch ein Fremdwort ist.

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