Dubai – Fragen bleiben…

Sitzen am Flughafen in Dubai und warten gerade sehnsüchtig, aber auch etwas wehmütig auf unseren Flug nach Sri Lanka. Waren diesmal mehr als zu früh da und mussten noch ne Stunde auf den Check-In warten. (insgesamt mit Flugverspätung hast 6 Stunden am Flughafen gedauert! ūüėČ Naja, McDoff-Fraß gabs immerhin kostengünstig für die Kiemen! ;-)) Gut, außer zum dritten Mal in 3,5 Wochen durch die Duty-Free-Shops zu rennen, um wieder einmal festzustellen, wie billig hier der Alc. und die Ziggis sind, bleibt einem nicht viel übrig mit seiner Zeit anzufangen. Das Stimmenwirrwarr ist hier schon enorm nervig, selbst durch meine schmalzigen Ohropaks hindurch. Eine leichte Müdigkeit überfällt mich nun auch, nachdem die letzte Nacht mit einigen Unterbrechungen nicht länger als 5 Std. war. Aber gut, wir haben Zeit, keinen Druck, keinen Alltagsstress, müssen uns über nichts Gedanken machen. So langsam gefällt mir der Gedanke an diese imaginäre Freiheit, die scheinbar so langsam, wenigstens vorübergehend, für uns Realität ist. Das einfache "in-den-Tag-hinein-leben" haben wir aber noch nicht perfektioniert, leider schweifen unsere Gedanken immer wieder auch 10 Tage voraus; wir fragen uns, wie wir unseren Trip in Sri Lanka am besten bewältigen, wie eine sinnvolle Route aussehen könnte. Hm, dabei wollten wir ja einfach nur das lässige und unbeschwerte Leben genießen. Letztens in der Nelson´s Bar wurden wir auch gleich als Deutsche abstempelt von dem Ami aus Connecticut, weil er unsere Zielstrebigkeit angeblich schon in dem klimatisierten Partykeller gerochen hat. Hm, „zack, zack, zack“,  meinte er, läuft es bei den Germanen ab. Was solls, man bleibt halt ein Kind seiner Prägung. Trotzdem soll jetzt das ungeplante und ziellose Travellen für uns anfangen. In Gedanken könnten wir uns momentan ganz gut vorstellen, ein paar Tage in Sri Lanka an einem einsamen Traumstand etwas länger zu verweilen. Bisher sind die Reiseziele ja schon edel auserlesen gewesen, die Sehenswürdigkeiten, die wir, wie jeder andere Touri, ansteuern mussten, standen schon vor dem Eintritt ins Reisedomizil fest. Da bleibt wenig Variabilität und Flexibilität für spontane Eskapaden übrig. Aber  jetzt soll alles anders werden. Mal guggen, ob´s dass auch wird. Meist bleibt ja alles beim alten! ;-(

Eigentlich wollte ich die letzten Tage hier mal Revue passieren lassen, doch dafür fehlt mir grad die mentale Begeisterung; Ein Buch was ich grad gelesen habe, hat mich etwas von der transportierten Lethargie angesteckt. Außerdem ist mein kleines Erbsen-Hirn mal wieder vollkommen überfrachtet von den vielen neuartigen Impressionen hier aus Dubai. Es kreisen eigentlich vielmehr nur Fragen durch den Kopf: Wo kommt das ganze Geld her, das hier tagtäglich verbraten wird? Sieht so moderner Sklavenhandel aus? Haben nicht früher die Pharaonen, Kaiser und Könige auch schon teure Paläste bauen lassen, um damit ein Image aufzubauen oder Konkubinen standesgemäß zu beherbergen, um sie nach einer berauschenden Nacht wieder abzustoßen? Auf der einen Seite arbeiten bei 40 Grad im Schatten Bangladeshis und Pakistanis an einem neuen Hotelkomplex, während daneben fette Karren ala Porsche, Maserati und Lamborghini mit laut-aufheulenden Motoren vorbeirasen. Ist dies Gerechtigkeit und Gleichheit für alle, wenn die einen ein Lebensgehalt der Arbeiter mit einer Dirne an die nächste Wand fahren? Naja, ich sehe schon, ich muss meine Definition von Gerechtigkeit mal neu überdenken. Ein unglückliches Bild machen die Gastarbeiter hier in Dubai ja auch nicht; im Gegenteil, sie erscheinen mir mit ihrem ernstgemeinten und freundlichen Lächeln, das man allseits entgegengebracht bekommt, relativ zufrieden. Muss ihnen vorher wohl noch schlechter ergangen sein!? Oder haben Sie einfach ein anderes Lebenskonzept zugrunde liegen, sind sie weiser, oder einfach nur entspannter dank ihrem kulturellen Background? Gehen Sie von einer ausgleichenden Gerechtigkeit im Leben oder nach dem Tod aus? Oder nehmen Sie, wie im Buddhismus üblich, das Leid, die Lasten des Alltags und die Ungerechtigkeit ertragend und tolerierend hin, weil Sie eh nichts daran ändern könnten, getreu dem Motto: „Sterben muss man sowieso, schneller und erträglicher geht’s mit Mal-Bor-O!“  Mal guggen, wir werden uns die kommenden Monate mal davon live ein Bild machen…

Dubai war trotzdem mal von dem ganzen Umgangston und Umfeld viel erträglicher für uns. Keine Straßenverkäufer, die einen kaputte Feuerzeuge oder Ketten in tausend unterschiedlichen Farben anbieten wollen (doch, wobei, wir waren mal auf dem alten Markt in Creek, dort sind wir deutsche als gefundenes Fressen erwartet worden. Neben einem Gewand und Viagra (ich sag nur: „Viagra – Muschi kaputt“) wollte man uns doch größtenteils in Ruhe lassen.)

Keine zerfetzenden Körperteile auf der Straße, noch Blut an der Hose, nur Schmerzen durch das Salzwasser am aufgeschürften Knie (tja, Petra hinterlässt immer noch Spuren und „bleibende Eindrücke“ ;-))

Kein aggressives verbales Rumgeplöcke, noch unfreundliches Anbaggern. Alles lief hier sehr dezent und zurückhaltend ab. Im Hotel wurden wir wie „Scheeeechs“ behandelt, auch wenn wir keinen Turban tragen und immer noch nur gebrochenes Englisch sprechen. Gut, alle mal besser als der zerhackte Dialekt unserer indischen Freunde von Übersee. Die zu verstehen erscheint mir gerade noch mehr als eine Kunst und ein Glücksspiel. =)

Das Essen war aber nicht sooo lecker, oder sagen wir mal, nicht so ausgefallen, dafür mal wieder etwas nahrhafter und üppiger als die zusammengebastelten Falafel aus dem Nahen Osten. Gegen Pizza kann man eben nichts einwenden, vor allem wenn sie selbst auf das Zimmer gebracht nix kostet; Nur der billige Inder-Chinese-Pakistani von um die Ecke hat wohl etwas viel Störgemüse für meinen Magen in den Reisbrei gemixt. Wie der Name Störgemüse schon sagt, kam es so ziemlich 1zu1 wieder unverdaut heraus und färbte die glänzend saubere Schüssel unter meinen Birnen-Popo leicht orangenfarben. Tja, dies nur leider nicht nur einmal, sondern die letzten beiden Tage. Glücklicherweise hatten wir aber auch in unserem stillen Örtchen neben warmen Wasser und einer Menge Handtücher WiFi. So ließ sich nicht nur die Schüssel randvoll füllen, sondern auch die Zeit war gut ausfüllt! ūüėČ

Hm, wenns noch interessiert; unser bester neuer Freund, der Johnny, hat sich mittlerweile auch schon wieder verflüssigt, leider. Ein Trosttropfen hat jedoch noch den Weg in einen Flachmann gefunden, der eigentlich mal für einsame Stunden fernab von jeglicher Zivilisation eingekauft wurde. Ob wir ihn brauchen werden, wird Sri Lanka zeigen. Bier soll mal wieder schweineteuer sein, dafür solls aber deliziösen Schnaps von allen möglichen Früchten geben. Trotzdem trauern wir unserem Erdinger Weißbier hinterher. Wie schön waren doch die Abende im Ungleich oder Finkenkrug, Fährmann oder Hubertus-Eck?!

 

Bilder gibts grad leider nich, weil die InternetVerbindung mal wieder Grottig ist, und wir weiter müssen! ūüėČ