Ayurveda-Tortur und Inderprobleme

Da wir die letzten beiden Tage und die kommenden beiden Tage in einer Ayurveda-Klinik rumlungern, gibt’s momentan nichts zu erzählen, was erwähnenswert wäre.

Wir liegen 2 Std./Tag zäh auf harten Holzpritschen rum, und lassen uns angeblich besonders heilsames Öl über den ganzen Körper schmieren. Das entspannende Feeling bleibt jedoch meist aus; in meinen Augen ist es weniger eine Massage, sondern vielmehr eine Tortur, ein Gepansche mit heißen, schmierigen Öl! Der Masseur (ja, leider keine Frau;-) drückt mit viel Schmackes meine Gliedmassen zusammen, und gibt sich dabei viel Mühe, meine spitzen Knochen auf die Holzpritsche zu pressen, damit`s auch so richtig schmerzt. Nach der Behandlung fragt er natürlich, ob man noch eine Behandlung haben möchte. Da einem alle Körperteile schmerzen, sagt man gezwungenermaßen zu! Hmm, jetzt da ich dies gerade schreibe, hört sich dies ja eigentlich nach einer eierlegenden Wollmilchsau an, und einer weiteren genialen Geschäftsidee für unsere Zukunft! 😉

(copyrights: Ch-info.ch: Bei uns ohne die Matte; Knochen direkt auf Holz)

Apropos Zukunft: Die steht mal wieder in den Sternen (nein, mit Horoskopen, die hier das Alltagsgeschäft beherrschen, konnten wir uns noch nicht anfreunden). Heute haben wir einen Flug nach Chennai gebucht (sau billig, knapp 20 Euro, kann man nix sagen 😉 da verzichten wir gerne auf 24 std. hautnahe Indien-Kontakte in schweißiger verbrauchter Luft in der überfüllten General-Class), mit einem coolen Priester von Don Bosco. Nächste Woche Samstag würden wir dann gemeinsam zu ihm nach nach Hause fliegen und weitere Locals hier klar machen. Eigentlich wollten wir ja Chennai meiden, da wir nicht so viele begeisterte Worte über die sechs-größte Stadt Indiens gehört haben; aber vielleicht lässt sich`s dort doch auch ganz gut in den Slums aushalten bei Wellblechdach, vergilbten und verpesteten Wasser, „natürlicher“ Abwasserversorgung und „verschnupften“ Indern.

Bild0003Das Indien arm ist wussten wir ja vorher, dass Indien aber tatsächlich reich ist, wurde uns von einem sehr weisen Menschen hier geschildert. Die Leute haben eigentlich echt alles, was man zum Leben braucht; die Ärmsten kommen hier mit knapp einen Euro über die Runden am Tag (jaja, für 50 Cent gibt’s hier 1kg Reis in allen möglichen Sorten, von denen ich noch nie was in meinem Leben gehört habe). Das Angebot ist eben riesig, die Nachfrage nicht unbedingt. Und selbst wer keinen Sack Reis am Tag verkauft, um damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, der bekommt vom Staat angeblich 1kg Reis umsonst… aaaa-haaa, also verhungern muss hier scheinbar niemand. Naja, wenns der Papst glaubt, wird er vielleicht auch selig gesprochen 😉 Ne, das Hauptproblem scheint, nach Auskunft der gebildeten Leute hier, nicht die Nahrungsknappheit zu sein, sondern vielmehr die fehlende Kenntnis über die rechte Ernährung. Hmm, da frage ich mich natürlich, was kann dabei schon so schwer sein, Reis zwischen den Zähnen durchzuschieben, kräftig einmal zuzubeißen (insofern man noch ein Gebiss hat; die meisten hier haben mit 40 Jahren schon mehr als die Hälfte ihrer Zähne durchs Öffnen von Bierflaschen verloren 😉 und dann zu schlucken!? Hm, naja, so einfach scheint das Problem wohl doch nicht zu lösen zu sein; von dem Stichwort „gesunde ausgewogene Ernährung“ scheinen echt viele Inder in entlegenen Dörfern noch nichts gehört zu haben…

So, da wären wir bei einem essentiell elementaren Problem für uns und die männliche Bevölkerung angekommen: BIERFLASCHEN!!! Die gibt’s hier nämlich mal wieder nur sehr beschränkt in vollkommen überlaufenen Liquor-Shops. Wir dachten ja, dass in Sri Lanka die Alkis verrückt sind, die sich in verrauchten Kellerlöchern abschießen, aber das sprengt noch mal die Dimensionen. Sobald es dunkel geworden ist, stehen die Inder hier in meterlangen Schlangen teilweise 2 Stunden vor einem Liquor-Shop an, achten penibel  darauf, nicht erkannt zu werden (meist mit Kopfbedeckung oder Händen im Gesicht; Bier trinkt man hier nämlich nicht; getreu nach dem Kanobbel-Motto: Entweder richtig wegballern oder es gleich bleiben lassen 😉 ), um dann ihren Tageslohn in einem abgedunkelten verruchten Loch zu versaufen. Na gut, die Entscheidung ist ja wirklich nicht leicht zu treffen; für meine äußerst „gesunde“ Ernährung würden ja schon 2 Bier und ne Schachtel Kippen als Nahrung täglich ausreichen; aber ob dies für eine 4-köpfige Familie ausreicht, wag ich zu bezweifeln.

Naja, des einen Freud, des anderen Leid: Wir verzichten hier daher mal weiterhin leider auf Alkohol, nicht weil er zu teuer ist, sondern weil uns KingFisher-Bier zu den Ohren rausläuft und ansonsten der gediegene Alkoholkonsum (wie in deutschen Kneipen) hier scheinbar nicht gepflegt wird. Tja, “One beer a day, keeps the doctorS WAY”; hoffen wir mal das Beste für unsere dann eben ungesunde Ernährungsweise! 😉

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naja, Okay, Ausnahmen bestätigen die Regel.. 😉